Neuer Puritanismus?

Warum das Fernsehen in Sachen Nacktheit deutlich zurückhaltender geworden ist

Tilmann P. Gangloff

Tilmann P. Gangloff ist freiberuflicher Medienfachjournalist.

Eine Zeit lang war Nacktheit im Fernsehen auch dank vieler freizügiger Angebote der Privatsender so normal, dass sich kaum noch jemand daran zu stören schien. Mittlerweile hat sich der Trend jedoch derart ins Gegenteil gekehrt, dass das nudistische RTL-Format Adam sucht Eva zur Ausnahme wird. Der Text sucht nach Erklärungen für diesen neuen Puritanismus: Liegt es am Zeitgeist, erregt nackte Haut in Zeiten von YouPorn keine Aufmerksamkeit mehr oder sitzen an den entscheidenden Stellen bei den Sendern inzwischen viel mehr Frauen als früher, weshalb nicht mehr der männliche Blick dominiert?

Online seit 27.04.2018: https://tvdiskurs.de/beitrag/neuer-puritanismus/

Vollständiger Beitrag als:

„Sex sells“ war lange Zeit das vielleicht wichtigste Mantra der Werbebranche. Ob sich die Produkte tatsächlich besser verkaufen ließen, wie das PR-Credo nahelegt, ist zwar fraglich, aber nackte Haut hat auf jeden Fall die Aufmerksamkeit erhöht; deshalb erinnern sich viele Männer, die ihre Pubertät in den Siebzigern erlebt haben, noch heute lebhaft an die „wilde Frische“ der Werbespots für Fa. Sex im Fernsehen war damals fast schon salonfähig. Einige Jahre zuvor hat das noch ganz anders ausgesehen: „Mindestens die Hälfte der klassischen TV-Skandale hatte mit Sex zu tun“, sagt Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger. Den Auftakt dieser Chronik markierte 1961 die entblößte Brust von Romy Schneider in Die Sendung der Lysistrata (ARD). 1970 erregte eine junge Kandidatin in der ohnehin stets für Schlagzeilen guten Spielshow Wünsch dir was (ZDF 1969-1972) in jeder Hinsicht die Gemüter, weil sie eine durchsichtige Bluse trug. Bereits wenige Jahre später gerieten angesichts der nackten Brüste von Ingrid Steeger im Comedyformat Klimbim (WDR 1973-1979) jedoch nur noch männliche Jugendliche in Wallung. Für Skandale sorgten nun Küsse zwischen Männern, etwa in Wolfgang Petersens Schwulendrama Die Konsequenz (ARD 1977) oder selbst in den Achtzigern noch im ARD-Dauerbrenner Lindenstraße (1987). Sex im Fernsehen war laut Hallenberger „jedoch immer Sex aus männlicher Sicht. Die sexuelle Befreiung des Familienmediums Fernsehen war eine sexuelle Befreiung für den Mann, so wie sexuelle Darstellungen schon immer durch den männlichen Blick dominiert worden sind. Heutzutage, da YouPorn in dieser Hinsicht alle Wünsche erfüllt, lohnt es sich für das Fernsehen nicht mehr, noch auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erregen.“
 


Diese Zeiten sind vorbei

Tatsächlich wird Nacktheit im Fernsehen seltener, jedenfalls auf den wichtigen Sendeplätzen der großen Programme. Früher wurden Autoren bei Drehbuchbesprechungen regelmäßig aufgefordert, noch eine knackige Sexszene einzubauen; heute findet der Sex im Fernsehfilm in der Regel unter der Decke statt. Hallenberger sieht den entscheidenden Grund für diese Entwicklung in einem neuen Puritanismus. Lange Zeit sei vermutet worden, junge Generationen hätten nur Party im Sinn: „Aber seit Jahren bescheinigen die Shell-Studien jungen Menschen eine Rückkehr zu klassischen Biedermeier-Werten. Die Untersuchungen belegen den Abschied von der hedonistischen Gesellschaft: In einer Zeit der allgemeinen Verunsicherung streben junge Leute danach, eine Familie zu gründen und ein Eigenheim zu erwerben; sie schätzen Treue als hohes Gut. Sex im Film oder in der Werbung war das Symbol eines den Sinnen und der Welt zugewandten Lebens, in dem Lust und Genuss im Vordergrund standen. Diese Zeiten sind vorbei; nackte Haut hat für viele Zielgruppen keinen Reizwert mehr oder ruft sogar Ablehnung hervor.“

Kuppelformate wie Adam sucht Eva – Gestrandet im Paradies (RTL seit 2014) oder Naked Attraction – Dating hautnah (RTL 2 2017) mit ihren unbekleideten Protagonisten sind für Hallenberger kein Widerspruch:

Die Reihen haben den erotischen Reiz einer Viehauktion. Der Mensch wird in dieser Fleischbeschau zur Ware; das ist Neoliberalismus in seiner brutalst möglichen Ausprägung.“

Nackte Brüste in einer Comedyshow wären dagegen heute undenkbar: „Die zuständige Redaktion würde erheblichen Ärger riskieren. Es würde Proteste hageln, und das nicht nur von der Gleichstellungsbeauftragten.“ Den neuen TV-Puritanismus sieht der Experte für Fernsehunterhaltung als Ergebnis verschiedener Faktoren: „Gerade die großen Sender wollen vor allem Risiken vermeiden, und natürlich hat sich auch in den Redaktionen das Bild der Geschlechterrollen geändert. Das Fernsehen ist ohnehin ein verlässlicher Indikator dafür, wenn Ränder sich in die Mitte bewegen.“

Während Sex früher regelmäßig ein Fall für den Jugendschutz war, kümmert sich die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) der Privatsender heute in erster Linie um ganz andere Dinge. Noch bis vor zehn Jahren habe es laut FSF-Geschäftsführer Joachim von Gottberg viel mehr Zuschauerbeschwerden über Sexszenen gegeben als heute. „Über ‚Adam sucht Eva’ zum Beispiel regt sich heutzutage kaum jemand mehr auf. Auch der Jugendschutz ist längst nicht mehr so empfindlich, übrigens auch hinsichtlich der Gewaltdarstellungen. Beim Jugendschutz geht es heute viel mehr um TV-Formate, die Kinder oder Jugendliche dazu animieren könnten, gefährliche Mutproben nachzuahmen.“ Die Ursachen für die Zurückhaltung der TV-Sender sieht der Honorarprofessor für Medienethik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ähnlich wie Hallenberger in gesellschaftlichen Veränderungen: „Früher ist man davon ausgegangen, der stimulierende Effekt der Pornografie reduziere Partnerschaft auf die Lustbefriedigung; Scham und menschliche Gefühle würden dagegen abnehmen. Was wir jedoch erleben, ist allen Studien zur Folge eher eine gesellschaftliche Gegenbewegung. Medial hat man sich mit Nacktheit abgefunden, aber im realen Leben herrschen Scham und ein verstärkter Trend nach Bindung vor.“ Ein Hinweis dafür sei der deutliche Rückgang von FKK-Stränden, „selbst im Osten, wo das Nacktbaden Jahrzehnte lang völlig selbstverständlich war. Wenn Nacktheit überhandnimmt, reduziert sich der Reiz und damit die sexuelle Lust.“ Er räumt allerdings ein, dass die Gemengelage kompliziert sei: „Es spielen auch noch viele andere Faktoren eine Rolle, unter anderem die Gleichberechtigung, eine größere Sensibilität für Menschenwürde sowie die Veränderung der Männerrolle. Wenn bei der FSF ein Ausschuss mehrheitlich männlich besetzt ist, haben Sexfilme deutlich schlechtere Karten, weil Männer in einer Art vorauseilendem Gehorsam viel empfindlicher reagieren; Frauen sehen das meist deutlich lockerer.“
 

„Das ist Nonsens“

Dazu passt, dass die These vom neuen TV-Puritanismus von gleich mehreren Fernsehfilmchefinnen bestritten wird. Heike Hempel, stellvertretende Programmdirektorin des ZDF, Barbara Buhl, Leiterin der WDR-Programmgruppe „Fernsehfilm und Kino“, und Barbara Biermann, Leiterin der SWR-Hauptabteilung „Film und Doku“, bezweifeln übereinstimmend, dass Nacktheit aus dem Fernsehen verschwinde. Besonders deutlich wird Christine Strobl, Geschäftsführerin der unter anderem für die Donnerstags- und Freitagsfilme im „Ersten“ verantwortlichen ARD-Tochter Degeto:

Es gibt keinen neuen Fernsehpuritanismus, das ist Nonsens. Nacktheit findet ganz selbstverständlich statt, wenn sie erzählerisch Sinn macht. Nacktheit des Tabubruchs wegen oder aus voyeuristischen Gründen interessiert uns nicht.“

Hempel widerspricht zudem der Vermutung, Frauen in Schlüsselpositionen hätten maßgeblichen Anteil daran, dass es weniger Nacktheit gebe. Es gehe in den Filmen und Serien immer darum, „wie Körperlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität erzählt werden; und wie die Haltung der Figuren dazu ist. Daraus entsteht dann hoffentlich ein Gefühl von Modernität und Selbstverständlichkeit.“ Biermann zählt eine ganze Reihe jüngerer SWR-Produktionen auf, „die ganz offen mit Nacktheit und Sexualität umgehen“, darunter der Stuttgarter RAF-TatortDer rote Schatten (2017) von Dominik Graf, das Amour-fou-Drama Sag mir nichts (2016) oder kürzlich Die Freibadclique (2018). Buhl bestätigt immerhin, dass sich „durch ein verändertes und differenzierteres Rollenverständnis von Männern und Frauen auch die Darstellung von Sexualität und Nacktheit verändert hat. Heute wird anders erzählt als in früheren Fernsehfilmen.“ Dabei spiele es keine Rolle, ob eine Produktion von Männern oder Frauen inszeniert oder verantwortet werde. Sie widerspricht auch dem Gewöhnungseffekt: Als die ARD im Sommer 2017 den Kinofilm Schoßgebete (2014), „in dem freizügiger Sex und somit auch Nacktheit geradezu thematisch sind“, um 20.15 Uhr ausgestrahlt habe, „gab es anschließend etliche empörte Zuschauerzuschriften und Proteste. Offenbar ist Nacktheit und die Darstellung von Sexualität für viele Zuschauer immer noch anstößiger als explizite und blutige Gewaltdarstellung.“
 


RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer kann der These vom Rückgang der Nacktheit schon eher folgen und argumentiert mit ihrem Hinweis auf Formate wie die Erotikshow Tutti Frutti (RTL 1990-1993) ähnlich wie Hallenberger: „Das war damals ein Aufregerthema, ein Tabubruch, mit dem der junge Sender RTL auf sich aufmerksam gemacht hat. Doch die Zeiten und auch RTL haben sich gewandelt. Erotik und Sex sind mittlerweile ins Internet gewandert und jederzeit zugänglich, da ist eine nackte Brust nichts Besonderes mehr.“ Yvonne Weber, Redaktionsleitung Deutsche Fiction bei ProSiebenSat.1, bringt einen ganz anderen Aspekt ins Spiel: „Die Digitalisierung hat auch bei diesem Thema eine Trendwende eingeleitet. Wir erleben immer häufiger, dass viele Schauspieler Vorbehalte haben, sich nackt zu zeigen, denn inzwischen weiß jedes Kind: einmal im Netz, immer im Netz. Daher schaffen wir in unseren Verträgen auch Produktionsbedingungen, die dieses Risiko so gut wie möglich ausschließen.“
 

Absolutes Vertrauen

Für die meisten Schauspielerinnen wäre weniger Nacktheit im Fernsehen vermutlich eine gute Nachricht; fast immer sind sie es, die sich unter die Dusche stellen müssen, auch wenn das für die Handlung völlig unerheblich ist. „Es ist nie einfach, nackt zu spielen“, bestätigt Barbara Auer. „Wir sind es als Schauspielerinnen zwar gewohnt, uns preiszugeben, aber buchstäblich nackt zu sein – und das ja immer inmitten angezogener Menschen am Set –, erfordert viel Mut; umso mehr, wenn man nicht mehr jung ist und sich mit allen körperlichen Unzulänglichkeiten und Versehrtheiten zur Verfügung stellt.“ Grundsätzlich jedoch gehöre „natürlich auch Nacktheit zu unserem Spiel, wenn sie erforderlich ist, schließlich ist unser Körper schauspielerisches Werkzeug und Ausdrucksmittel. Warum sollten wir uns da limitieren und darauf verzichten? Und was wäre die wunderbare Partyszene in ‚Toni Erdmann’ ohne die Nacktheit aller Beteiligten?“ Voraussetzung für solche Aufnahmen seien jedoch „absolutes Vertrauen, Offenheit und eine eindeutige Verabredung“.

Schauspielerinnen berichten allerdings auch von Fällen, in denen sich Regisseure nicht an diese Verabredungen gehalten hätten. Bei Nacktaufnahmen sei versichert worden, dass die Nacktheit im fertigen Film nur zu erahnen sei; und dann sei doch alles zu sehen gewesen. Eine andere erinnert sich, wie ein Regisseur beim Dreh einer Sexszene einen „richtig blöden Machospruch“ von sich gegeben habe. Eine dritte stellt fest: „Niemand sagt dir, dass du deiner Karriere schadest, wenn du dich nicht ausziehst, aber das ist auch gar nicht nötig, weil du dir diese Frage selbst stellst.“ Aus einem ähnlichen Grund lassen sich manche Schauspielerinnen ihre Brüste vergrößern. Hans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied im Bundesverband Schauspiel, glaubt ähnlich wie die Fernsehfilmchefinnen ohnehin nicht, dass das Fernsehen prüder geworden sei, und belegt dies mit den Serien Babylon Berlin (Sky/ARD) und Bad Banks (Arte/ZDF). Es sei zudem noch gar nicht lange her, dass es im Theater kaum noch Kostüme gegeben habe, „weil die Schauspieler ständig nackt zu sehen waren.“ Er hofft allerdings, dass „die Zeiten vorbei sind, in denen ein Regisseur eine Schauspielerin unter Druck setzt, damit sie sich auszieht.“


„Eine Perspektive, die Männern gefällt“

TV-Kritikerin Klaudia Wick widerspricht der These vom neuen Puritanismus. Wick ist Leiterin Audiovisuelles Erbe – Fernsehen der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.

Sieht Nacktheit im Fernsehen heute anders aus als früher?

Klaudia Wick: Von welcher Nacktheit sprechen wir? Auch im Fernsehen wird der Beischlaf mittlerweile wie im Kino inszeniert, also sehr kunstvoll und ästhetisch. Es soll auf jeden Fall schön und „bigger than life“ aussehen. Nur deshalb ist die Missionarsstellung out. Die Frau sitzt nun auf dem Mann, aber nicht, weil sie emanzipiert ist, sondern weil ihre Brüste so besser zur Geltung kommen.

Dann teilen Sie die These vom neuen Puritanismus nicht?

KW: Nein. Wenn auf den „romantischen“ Sendeplätzen – der Freitagsfilm der ARD, der Sonntagsfilm im ZDF – weggeblendet wird, sobald ein Paar in die Kissen sinkt, hat das nichts mit Prüderie oder Puritanismus zu tun, das ist eine Genrekonvention. Auf den klassischen Fiction-Sendeplätzen am Montag im ZDF und am Mittwoch in der ARD finde ich keinen Puritanismus. Was aber hier wie dort weiterhin fehlt, sind Momente alltäglicher Unbekleidetheit. Es gibt praktisch keine selbstverständliche Inszenierung unbekleideter Körper. Die Ausnahme ist hier die weibliche Leiche im Krimi: Die ist – anders als der männliche tote Körper – auf dem Seziertisch fast immer nackt.

Wie in der klassischen Kunst dominiert also auch im Fernsehen der männliche Blick?

KW: Es wird eine Perspektive inszeniert, die Männern gefällt. Interessanterweise sind Regisseurinnen in der Lage, diesen Blick so gut zu inszenieren, dass die Bilder „männlicher“ wirken, als ein Mann sich das trauen würde. Es gibt ein stilles Einverständnis, was geht und was nicht geht. Zuschauerinnen sind daran gewöhnt, dass Frauen im Film nackt sind. Von Männern ist, wenn überhaupt, in der Regel aber nur der Oberkörper zu sehen. Wann sieht man schon mal einen nackten Männerpo? Frauen können erotische Szenen auch dann als angenehm empfinden, wenn sie eigentlich für Männer inszeniert sind; umgekehrt ist das eher nicht so. Männer fühlen sich schnell nicht angesprochen, wenn die Geschichte nicht ihren visuellen Interessen folgt. So sind zum Beispiel lesbische Liebespaare längst im Mainstream-Fernsehen angekommen, nicht erst seit Ich will dichvon Rainer Kaufmann. Es sieht eben nach der allgemeinen Vorstellung schön aus, wenn sich zwei halbnackte Frauen küssen. Dass sich schwule Liebe nicht auf ähnliche Weise emanzipiert hat, liegt ganz einfach daran, dass viele männliche Zuschauer nicht sehen wollen, wie zwei Männer Zärtlichkeiten austauschen.

Haben sich die geschlechtlichen Rollenbilder im Fernsehen verändert?

KW: Die Gesellschaft ist freizügiger und selbstverständlicher im Umgang mit Abweichungen von der Norm geworden, und daher finden sich jetzt auch alle möglichen Geschlechterrollen in den Fernsehfilmen. Es gibt zahllose Filme, die diverse Aspekte von Sexualität – von Transgender bis Homosexualität, von der Lust im Alter bis hin zum unstillbaren Drang, sich an Kindern zu vergreifen – ausführlich thematisieren. Aber das sind meist sogenannte Problemfilme, die einen aufklärerischen Impuls haben. Dass einfach mal nebenbei erzählt wird, dass der Kommissar einen Lebenspartner hat oder die Frau an der Bushaltestelle früher ein Mann war, ist kaum vorstellbar. Im Bildhintergrund geht es immer „normal“ zu. Und weiterhin gilt: Frauen dürfen auf dem Bildschirm nicht so selbstverständlich altern wie Männer.

Wird es infolge der #MeToo-Debatte weniger Nacktheit im Fernsehen geben?

KW: Es gibt einen missbräuchlichen Umgang mit Frauen am Set, weil männliche Regisseure offenbar der Meinung sind, es sei für ihren Film von Vorteil, wenn es auch hinter der Kamera erotisch knistert. Das ist ein ungleicher Kampf, weil die Frauen in einem Abhängigkeitsverhältnis zum männlichen Regisseur stehen. Die Frage, ob die Filme jetzt prüder werden, weil Schauspielerinnen sich gegen diesen Missbrauch wehren, empört mich, denn sie vermischt zwei völlig unterschiedliche Dinge. Die Vergewaltigung der Hauptdarstellerin ist doch keine Voraussetzung für den Dreh einer erotisch aufgeladenen Filmszene. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Es geht darum, dass sich die Schauspielerin am Set sicher und selbstbestimmt fühlen kann. Nackt und angezogen.

Die Fragen stellte Tilmann P. Gangloff.