Im Schatten der Blockbuster

Hollywood entdeckt die Geschichten „kleiner Leute“ neu

Werner C. Barg

Prof. Dr. Werner C. Barg ist Autor, Produzent und Dramaturg für Film und Fernsehen sowie Honorarprofessor im Bereich Medienwissenschaft der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg leitet er den Ergänzungsstudiengang „Medienbildung“ im Zentrum für Lehrer*innenbildung (ZLB).

Denkt man an Hollywood, denkt man an eskapistisches Überwältigungskino, an Blockbuster-Dramaturgie und Filmspektakel. Doch seit einigen Jahren zeigen Produktionen aus der „Traumfabrik“ auch ein anderes Gesicht.

Online seit 18.11.2021: https://tvdiskurs.de/beitrag/im-schatten-der-blockbuster-beitrag-772/

 

 

 

Es ist zweifelsohne richtig, dass die Filmproduktion in Hollywood in ihrer über 100-jährigen Geschichte auf gesellschaftliche Krisensituationen meistens mit Illusionskino geantwortet hat. Während der Weltwirtschaftskrise und der „Großen Depression“ in den 1930er-Jahren dominierten Musicals und Komödien die US-Filmproduktion. Diese Filmgenres versprachen Millionen Menschen ein wenig Spaß, Glamour und Ablenkung von einer depravierenden Wirklichkeit, in der sie täglich um ihre Existenz kämpfen mussten. Wie dieser Überlebenskampf in einer Welt des Verlustes und der Ausbeutung aussah, zeigten nur wenige sozialrealistische Filme wie etwa Früchte des Zorns (USA 1940) in der Regie von John Ford nach dem gleichnamigen Roman von John Steinbeck. Das Plädoyer des legendären Regisseurs für die „kleinen Leute“, die immer da sein werden, weil sie die Mehrheit des Volkes darstellen, während die Reichen kommen und gehen, blieb in Hollywood weitgehend ohne Echo.
 

„Kleine Leute“-Filme blieben rar

Filme, in denen Menschen aus der arbeitenden Unter- und Mittelschicht als Protagonisten im Mittelpunkt stehen, waren in den Folgejahren rar. Als eines der wenigen Beispiele für einen sozialrealistischen Film im Hollywood-Kontext der 1950er-Jahre kann auf Die Faust im Nacken (USA 1954) von Elia Kazan verwiesen werden. Marlon Brando brilliert als impulsiver Hafenarbeiter, der gegen die mafiösen Strukturen einer Dockarbeiter-Gewerkschaft im Hafen von Hoboken bei New York rebelliert und hierbei Kazans Film als Schaufenster der gerade erlernten Schauspielmethode „Method Acting“ nutzt, in der Techniken einer möglichst realistischen, lebensnahen Verkörperung der Filmfigur durch den Schauspieler zur Anwendung kommen.
 

Trailer Die Faust im Nacken (On the Waterfront, USA 1954)



Die Regisseure des „New Hollywood“ griffen in den 1970er-Jahren zwar gesellschaftliche Themen sozialkritisch auf, reflektierten und kommentierten diese aber zumeist aus der Perspektive ihrer Generation, der jungen intellektuellen Mittelschicht, die nach neuen Formen des Zusammenlebens suchte und die konservativen Werte der Elterngeneration nicht nur ablehnte, sondern in ihren Filmen zu zeigen versuchte, dass die althergebrachten Vorstellungen vom „American Dream“ im modernen kapitalistischen Amerika zum Scheitern verurteilt waren (Barg 2021). Zugleich warnten sie wie Peter Fonda und Dennis Hopper in ihrem Erfolgsfilm Easy Rider (USA 1969), dass ein Teil der konservativen Unterschicht auf die Modernisierungstendenzen der Gesellschaft extrem ablehnend und mit einer Hinwendung zu einer gewalttätigen Radikalisierung reagieren könnte. In der Schlusssequenz ihres Films werden die beiden Hauptfiguren, die Hopper und Fonda selbst verkörpern, von rechtsradikalen „Rednecks“ irgendwo in den US-Südstaaten von ihren Motorrädern geschossen und ermordet, nur weil sie anders sind und von den vermeintlichen „Normalos“ als fremd empfunden werden.
 

Düstere Filmprognose bestätigt

Die düstere Prognose des Films von 1969 bestätigte jüngst Ex-US-Präsident Barack Obama in einem Interview gemeinsam mit dem Rockstar Bruce Springsteen: „Die weiße Bevölkerung, und hier speziell die weiße Arbeiterklasse, hat das Gefühl, Boden zu verlieren. Einige ihrer Sorgen und Nöte sind berechtigt. Es hat mit der Globalisierung zu tun, mit dem Schrumpfen der verarbeitenden Industrie und der schwindenden Kraft von Gewerkschaften“ (dpa 2021).

Einer, der sich diese Verunsicherung für seine politischen Ziele zunutze machte und macht, ist der Rechtspopulist Donald Trump. Vor seinen Anhängern machte Trump aus seiner Ablehnung der „Hollywood-Demokraten“ nie einen Hehl. Bei einem Auftritt kurz nach der Oscarverleihung 2020 wetterte der damalige US-Präsident gegen den sozialkritischen südkoreanischen Film Parasite, der gerade als „Bester Film“ ausgezeichnet worden war. Er rief seinen Anhängern in Colorado zu: „Können wir mal wieder sowas wie Vom Winde verweht haben, bitte?“ (Maurer 2020). Er erntete Jubel, obwohl der Filmklassiker von 1939, ein Südstaaten-Liebes-Epos aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg, seit Langem wegen rassistischer Darstellungen und der Verharmlosung des rechtsradikalen Ku-Klux-Klans in der Kritik steht (Gerdener 2020).
 

Trumps Traumfabrik?

Den Gefallen, neue Kinoepen mit rassistischer Tendenz zu produzieren, wird Hollywood Trump und seinen Anhängern wohl kaum erweisen. Dennoch gibt es immer wieder auch populäre Filme, die sozialkritische Inhalte aus der Perspektive jener konservativer Werte transportieren, die eine Mehrheit der einfachen, hart arbeitenden weißen US-Unter- und Mittelschicht vertritt. Viele von ihnen sehen den Ex-Präsidenten nach wir vor als ihren Messias. Ihnen wird ein Film wie Peter Bergs Deepwater Horizon (USA 2016) gefallen haben, schließlich wird dort ein hohes Lied auf die Alltagshelden der Bohrinselarbeiter zwischen Barbecue und Knochenarbeit gesungen, die eine durch die Profitinteressen eines Ölkonzerns ausgelöste ökologische Katastrophe im Golf von Mexiko nicht verhindern können.

Und auch der bei Netflix veröffentlichte Film The Highwaymen (USA 2019), der die Jagd zweier Ex-Texas-Ranger auf die Barrow-Bande um die Gangsterlegenden Bonnie & Clyde in den 1930er-Jahren zeigt, belegt, dass in Hollywood selbstverständlich auch weiterhin Filme für eine konservative weiße Unter- und Mittelschicht entstehen. Ihr dürfte das Bild gefallen, das Regisseur John Lee Hancock in seinem Film von dem legendären Gangsterpaar als brutale Polizistenmörder zeichnet. Auch die hieraus abgeleitete Rachegeschichte der beiden ältlichen weißen Polizisten (Kevin Costner/Woody Harrelson), die das jugendliche Gangsterpaar verfolgen und schließlich im Sommer 1934 brutal zur Strecke bringen, wird diese Zielgruppe mehrheitlich gutheißen.
 

Trailer The Highwaymen (USA 2019)



Hancocks Film erzählt die Verklärung von Bonnie und Clyde zu „Volkshelden“ als Massenhysterie einer in der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre orientierungs- und perspektivlos gewordenen Bevölkerung. Gleichzeitig nimmt er im historischen Gewand doch deutlich Bezug zu aktuellen Zeitläuften in den USA, stellt die gezeigte brutale Polizeigewalt als legitim dar und zeichnet so das klassische Heldenbild aufrecht handelnder Polizisten – eine Law-and-Order-Perspektive, die aus den frühen Polizeifilmen Clint Eastwoods wie z. B. Dirty Harry (USA 1971) bekannt ist, heutzutage wieder aufgenommen, aber sehr klar die Absicht verfolgt, den aktuell nach wie vor stark unter Gewalt- und Rassismus-Verdacht stehenden US-Polizeiapparat zu entlasten.
 

Persönliche Blicke auf die Misere der gesellschaftlichen Spaltung

Es gibt in der aktuellen Hollywoodproduktion aber auch Filme, die sich weniger polemisch den Problemen der weißen Arbeiterschaft annehmen. Auf der Grundlage des autobiografischen Romans Hillbilly Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise von J. D. Vance aus dem Jahre 2015 erzählt Regisseur Ron Howard in seinem Film Hillbilly Elegy (USA 2020) von drei Generationen einer Arbeiterfamilie in Jackson, Kentucky. Am Rande des „Rust Belt“, der einst größten Industrieregion der USA, gelegen, standen auch hier einst stolze Fabrikanlagen. Doch im Zuge der De-Industrialisierung wurden sie dem Verfall preisgegeben. Viele Fabrikarbeiter verloren ihre Jobs und konnten kaum mehr Fuß fassen, ebenso wenig wie ihre Kinder.

Bev Vance (Amy Adams) ist so ein Kind. Stets Klassenbeste konnte sie als junge Frau den Absprung aus der provinziellen Enge dennoch nicht schaffen. Bald wird sie schwanger. Sie bekommt eine Tochter, Lindsay. Bev wechselt häufig die Partnerschaften, wird schließlich drogensüchtig. 1984 ist sie erneut schwanger. Ihr Sohn J. D. wird geboren. Seine Geschichte steht im Mittelpunkt von Hillbilly Elegy.

Da die Mutter sich in ihrer Wut und Verzweiflung über ihr nicht gelebtes Leben immer mehr in die Drogen flüchtet, dabei aggressiv und ausfällig wird, nimmt schließlich die Großmutter (Glenn Close) den Jungen zu sich. Die Großmutter erweist sich als erbarmungslos und streng. So erfährt J. D., dass sie sich einst gegen ihren seit der Arbeitslosigkeit oft betrunkenen und dann zur Gewalttätigkeit neigenden Mann zur Wehr setzte, indem sie ihn anzündete. Bev und ihre Tochter Lindsay, die bei den Großeltern wohnten, waren Zeugen des Geschehens. Lindsay rettete den Großvater.

Aufgrund seiner schwierigen Beziehung zu seiner Mutter neigt auch J. D. bald zu großer Wut und kleinen kriminellen Delikten. Doch dank der Strenge seiner Großmutter schafft der Junge seinen Abschluss. Nach seinem Militärdienst bei den „Marines“ kann er auch mithilfe seiner Familie ein Jurastudium an der renommierten Yale Law School finanzieren, wodurch Mutter und Sohn sich aber noch weiter entfremden. Als es darum geht, dass J. D. den Sprung vom Studium in den gut bezahlten Job als Anwalt in einer renommierten Kanzlei schaffen kann, erhält er die Nachricht, dass seine mittlerweile heroinabhängige Mutter wegen einer Überdosis im Krankenhaus liegt. Er reist zurück und stellt sich seiner familiären Vergangenheit.
 

Trailer Hillbilly Elegy (USA 2020)



Vances Buch wie auch Howards Verfilmung zeigen, woher die Wut und die Verzweiflung vieler Menschen der weißen Unterschicht in den USA (und nicht nur dort) herrühren: In einer Welt ohne Mitleid, in der die Solidarität alter Familienbande und der Zusammenhalt soziokultureller Milieus wie die der „Hill-People“ verloren ging, erleben sie nur noch Frustration und Ablehnung, weil sie finanziell nicht mehr mithalten können und ihr Leben deshalb für „verpfuscht“ halten. Hillbilly Elegy zeigt, wie gnadenlos der Satz: „Geld regiert die Welt“ zur Zerstörung des Selbstbewusstseins und des Selbstverständnisses der weißen Arbeiterschaft in den USA beigetragen hat.

Howards Film verdeutlicht drastisch, wie wichtig es für die Würde des Menschen ist, im Leben Anerkennung zu finden, aber auch, wie schwierig es ist, diese zu erlangen und aus zerrütteten Verhältnissen noch den sozialen Aufstieg zu schaffen. So muss sich J. D. auf der Seite der Upperclass-Anwälte abfälliger Bemerkungen über die „Hinterwäldler (Rednecks)“ erwehren und nach seiner Rückkehr zur Familie gegen das Misstrauen kämpfen, das besonders seine Mutter dem „Yale-Aufsteiger“ entgegenbringt.

Gab es in den US-Arbeiterfilmen der 1970er-Jahre wie in Blue Collar – Kampf am Fließband (USA 1978) von Paul Schrader oder in Norma Rae – Eine Frau steht ihren Mann (USA 1979) von Martin Ritt immer noch halbwegs funktionierende soziale Communitys in der Arbeiterschaft und – damit verbunden – die Perspektive einer politischen Veränderung, so richten die modernen sozialrealistischen Filme Hollywoods wie Hillbilly Elegy den Blick auf die menschlichen Konsequenzen der sich mittlerweile vertieften gesellschaftlichen Spaltung, zeigen die individuellen psychischen Verwerfungen, die die tiefgreifende Sozial- und Kulturkrise nach sich zieht.
 

Die Würde der „Abgehängten“ erretten

Die Vorstellung, dass in den USA jede und jeder jederzeit den sozialen Aufstieg schaffen kann, ist spätestens seit der Finanzkrise der Jahre 2007/2008 obsolet geworden. Der Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen zu können, ist ausgeträumt. Dies zeigt wohl kein Film der letzten Zeit so einfühlsam wie Chloé Zhaos Nomadland (USA 2020). Wie Howards Hillbilly Elegy geht auch Nomadland auf ein autobiografisch gefärbtes literarisches Werk zurück: Jessica Bruder lieferte mit ihren Buch Nomaden der Arbeit. Überleben in den USA im 21. Jahrhundert die Vorlage. In einer selten so gut gelungenen Verbindung von Laiendarstellern und Profischauspielern, allen voran Oscarpreisträgerin Frances McDormand, zeichnet Zhaos Film sehr authentisch das nomadische Leben US-amerikanischer Wanderarbeiter, die nach dem Verlust traditioneller Familien- und Arbeitsverhältnisse entwurzelt in ihren Wohnmobilen übers Land ziehen, mal am Verpackungsfließband bei Amazon stehen, mal als Erntehelfer irgendwo im Nirgendwo auf den Feldern schuften. Diejenigen Firmen und Konzerne, die ihnen Arbeit geben, lieben die Wanderarbeiter, denn sie sind immer nur kurzzeitig beschäftigt und sparen den Arbeitgebern so Millionen Dollar an Sozialabgaben.
 

Trailer Nomadland (USA 2020)



Doch Nomadland ist weniger ein Film der sozialen Anklage. Durch die Perspektive der von Frances McDormand verkörperten Hauptfigur Fern erlebt der Zuschauer vielmehr eine Welt, in der genügsame Menschen sich in ihr Schicksal gefügt haben, ja, bei ihren Treffen auf ländlichen Campingplätzen am Lagerfeuer den alten Pioniergeist ihrer Ahnen heraufbeschwören. Dieser romantisierende Blick auf prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse mag für den kritischen Betrachter anfangs verstörend sein, doch indem Nomadland auf den Ur-Mythos der US-Gesellschaft, die Landnahme durch die Siedler, rekurriert, gibt er den vermeintlich „Abgehängten“ zugleich ein Stück ihrer Würde zurück.
 

Sozialromantik und Genrebezüge

Schließend sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es neben den polemischen, kritischen und wohlwollenden Perspektiven in der US-Entertainmentindustrie auch den romantisierenden Blick auf die Alltagswirklichkeit der „kleinen Leute“ gibt. So hat sich etwa bei Netflix die Geschichte um Krankenschwester Melinda Monroe (Alexandra Breckenridge), die nach dem Verlust ihres Kindes durch eine Fehlgeburt und den Unfalltod ihres Mannes schwer traumatisiert Los Angeles den Rücken kehrt und in der kleinen Gemeinde Virgin River im Norden Kaliforniens als Assistentin des ansässigen Landarztes Doc Mullins (Tim Matheson) einen Neuanfang versucht, zu einer Erfolgsserie entwickelt. Durchaus realistisch wird in Virgin River (seit 2019) das Leben der Kleinstadtbewohner aus Melindas zunächst fremder Perspektive gezeigt. Doch bald beginnt sie eine komplizierte On/Off-Beziehung mit dem Restaurantbesitzer Jack Sheridan (Martin Henderson), wodurch sie das Leben der Landbewohner besser zu verstehen lernt. Gleichzeitig verschafft sie sich Anerkennung gegenüber ihrem Chef und versteht es, mit den Launen des grantelnden Landarztes umzugehen.
 

Trailer Virgin River (USA, seit 2019)



Althergebrachte Erzählkonzepte von Landarztserien, Heimat- und Liebesfilmen mischen sich zu einem wenig originellen Serienplot, der aber durch die emotionale Kraft der Charaktere sowie durch die sanfte und nicht eskalierende Zuspitzung der dargestellten Konflikte beim Publikum des Streamingdienstes so gut ankommt, dass Netflix am Ende der dritten Staffel nun gleich zwei weitere produzieren lässt (Madeleine 2021).

Der Erfolg der Serie dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Sozialromantik durch grandiose Landschaftsaufnahmen unterstützt wird, die die Sehnsucht vieler Menschen nach unberührter Natur „bedienen“. Zudem stellt der Multiplot der Serie neben den genannten sozialromantischen Erzählkonzepten ein Mix aus zahlreichen weiteren Genrebezügen dar, etwa zur Komödie oder zum Gangsterfilm.

Damit knüpft Virgin River an eine Erzähltradition Hollywoods in den 1970er-Jahren an, spezifische soziale Milieus kleiner Leute mit Genrekino zu verbinden. In Michael Ciminos Film Die durch die Hölle gehen (USA 1978) etwa kippt die anfänglich dargestellte Milieustudie über die aus Russland stammenden Stahlarbeiter in der Kleinstadt Clairton nahe der „Rust Belt“-Metropole Pittsburgh unversehens in das Genre des Kriegsfilms um, nachdem sich die drei Zentralfiguren 1968 freiwillig zum Militär melden und in den Vietnamkrieg ziehen, wo sie in der Gefangenschaft des Vietcong Grausames erleben müssen.

In ähnlicher Weise verknüpft auch Regisseur Mike Nichols in seinem Film Silkwood (USA 1983) die Darstellung des sozialen Milieus der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterin Karen Silkwood (Meryl Streep), die die illegalen Praktiken eines Atomkonzerns aufdeckt, mit Elementen des Polit- und Ökothrillers.

So wie in diesen filmhistorischen Beispielen wird auch in der Serie Virgin River die Darstellung des sozialen Milieus schnell zur erzählerischen Nebensache. Die Geschichten der „kleinen Leute“ ist nur der Hook, der Haken, um ein Massenpublikum in die Handlung hineinzuziehen, die dann von den Erzählmechaniken unterschiedlicher Genres geprägt und vorangetrieben wird. Die authentische Darstellung von Alltagsrealität rückt da weitgehend in den Hintergrund.
 

Literatur:

Barg, W.: Vom New zum New New Hollywood. Sozialkritik in der Traumfabrik. In tv diskurs, 01.04.2021. Abrufbar unter tvdiskurs.de (letzter Zugriff: 17.11.2021)

dpa: Obama und Springsteen über Fake News und Gesellschaft. In: Zeit Online, 25.10.2021. Abrufbar unter www.zeit.de (letzter Zugriff: 17.11.2021)

Gerdener, J.-H.: Trumps Hetze gegen die Oscars ist nackter Rassismus. In: Neue Westfälische, 21.02.2020. Abrufbar unter www.nw.de (letzter Zugriff: 17.11.2021)

Madeleine, L.: „Virgin River“. Netflix bestellt zwei weitere Staffeln. In: Serienfuchs, 17.10.2021. Abrufbar unter ww.serienfuchs.de (letzter Zugriff: 17.11.2021)

Maurer, J.: US-Präsident Donald Trump pöbelt gegen Oscar-Gewinner „Parasite“ aus Südkorea. In: Frankfurter Rundschau, 21.02.2020. Abrufbar unter www.fr.de (letzter Zugriff: 17.11.2021)