Eine Realität ist nicht genug

Verschwörungsmythen in Film und Serie

Werner C. Barg

Dr. Werner C. Barg ist Autor, Produzent und Dramaturg. An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) vertritt er die Professur „Audiovisuelle Medien“.

Jeder Dritte in Deutschland glaubt derzeit an geheime Mächte, die im Hintergrund die Fäden ziehen (vgl. Roose 2020). Verschwörungsmythen stehen hoch im Kurs. Auch in vielen Spielfilmen und Serien, vornehmlich aus den USA, geht es um Konspiration, Geheimorden und versteckte böse Strippenzieher. Reagieren die Medienmacher auf einen gesellschaftlichen Trend oder haben sie ihn in der Geschichte des Films und der Serie gar mit vorbereitet?

Online seit 29.09.2020: https://tvdiskurs.de/beitrag/eine-realitaet-ist-nicht-genug/

 

 

Einfache Erklärungen

Verschwörungserzählungen greifen meistens Elemente der Realität auf, die für manche Menschen verwirrend und unklar sind. Diese Realitätspartikel werden in Verschwörungsgeschichten dann zu Welterklärungsmodellen verdichtet, die zumeist sehr einfach strukturiert sind und klare Gut-Böse-Muster und Schwarz-Weiß-Konstruktionen aufweisen. Die Demonstrationen sogenannter Querdenker im Sommer in Berlin machten vornehmlich rechtsorientierte Verschwörungserzählungen populärer: „Da sind die Reichsbürger, die ihr irdisches Unglück damit erklären, dass der Staat in Wahrheit nur Fassade sei und im Hintergrund die Weltkriegsalliierten weiter die Fäden in der Hand halten würden. Da sind die Identitären, die sich erzählen, die Migration nach Europa werde insgeheim von sehr reichen Drahtziehern gesteuert, um Europa zu zersetzen. Und da sind die Schulmedizin-Phobiker, die auch das Impfen und den Schutz vor Viren für ein diabolisches Täuschungsmanöver von Geschäftemachern halten“ (Steinke 2020).
 


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Einfache Erklärungen für komplexe gesellschaftliche Lagen – das charakterisiert Verschwörungserzählungen gleich welcher Couleur, womit auch der Unterschied zur ungleich komplexeren und vielschichtigen künstlerischen Erzählung benannt ist. So zeichnet sich die Filmerzählung gleichfalls dadurch aus, dass in ihr ausgewählte Aspekte der Realität nach- und neuinszeniert und mithilfe der dem Medium zur Verfügung stehenden dramaturgischen und gestalterischen Mittel zu einer quasi zweiten, fiktionalen Realität verdichtet werden. Im narrativen Kommunikationsprozess des Kinos, des Fernsehens oder des Streamings gibt diese zweite Realität dem Betrachter Anlass, die im filmischen Geschehen eingeschriebenen Kommentierungen und Interpretationen zu „durchschauen“ und so nach dem Filmerlebnis möglicherweise die reale Welt – soziale Umstände, private Beziehungsverhältnisse oder politische Zeitläufte – mit einem veränderten Blick wahrzunehmen. Hierbei sind die künstlerischen „Einschreibungen“ in den filmischen Erzähltext – im Unterschied zur Verschwörungserzählung – selten eindeutig, sondern vielmehr mehrdimensional interpretierbar.

Auf der Ebene der Erzählstruktur wären Verschwörungsgeschichten allenfalls mit simpel gestrickten Blockbusterstorys im populären Kino vergleichbar. Aber selbst diese bedienen sich mittlerweile raffinierterer Gut-Böse-Muster mit vielen Schattierungen (Barg 2019, S. 121 ff.).
 

Der Mythos

Zutreffend ist, dass Verschwörungserzählungen das Kriterium erfüllen, durch das Roland Barthes den Mythos gekennzeichnet sieht: „Er ist ein sekundäres semiologisches System“ (Barthes 2016, S. 258). „Was im ersten System Zeichen ist (das heißt assoziatives Ganzes eines Begriffs und eines Bildes)“ und „im zweiten einfacher Signifikant“ (ebd.) wird, wäre z.B. im Reichsbürgermythos die desaströse militärische und politische Niederlage des deutschen Volkes unter Führung der Nationalsozialisten im Mai 1945. So symbolisiert etwa das (nachgestellte) Bild der siegreichen Rotarmisten, die auf dem Reichstag die Sowjetfahne hissen, den kompletten Verlust der staatlichen Souveränität Deutschlands. Auf die Tatsache, dass Deutschland im Frühjahr 1945 als staatliches Gebilde nicht mehr existent war, pfropft die Reichsbürgerlegende im Sinne Barthes’ ein zweites semiologisches System auf, nämlich die Behauptung einer Verschwörung der Alliierten gegen das deutsche Volk. Dieser Verschwörungsmythos suggeriert damit eine Weiterexistenz des „Deutschen Reichs“ und verschleiert die, zumindest für den rechtsextremistischen Teil der „Reichsbürger“, unbequeme historische Wahrheit, dass das politische und militärische Handeln der Nazis 1945 zu einer vollständigen Liquidierung der staatlichen und nationalen Souveränität Deutschlands führte. 
 


Der Mythos verfolgt in aktuellen Verschwörungserzählungen also deutliche politische Zielsetzungen und – wie Steinke feststellt – ein klares Feindbild: „Es ist eine Weltverschwörung, gegen die sie anzurennen meinen, aus verschiedenen Motiven heraus, aber mit demselben Ziel. Ihr Feind, das sind stets Fremde, beziehungsweise als fremd Imaginierte, denen sie Macht zuschreiben. Und zu diesen gehören immer, Überraschung, die Juden. Pardon: Die Zionisten, wie der vegane Kochbuchautor Attila Hildmann sagt, der stark auf Ökologie und Naturmedizin rekurriert. Beziehungsweise: Die Rothschilds, wie die Reichsbürger sagen, die diese Bankiersfamilie an den Hebeln staatlicher Macht wähnen. Oder: Der Soros, wie die Identitären sagen, die den in Ungarn geborenen jüdischen Geschäftsmann und Philanthropen George Soros dämonisieren und als Chiffre benutzen“ (Steinke 2020).
 

Der unsichtbare Plot

Der Reiz an der Rezeption von Verschwörungsmythen mit Leitsätzen wie „,Das Coronavirus ist eine Erfindung der Mächtigen‘“ (Jessen 2020, S. 46) besteht nun maßgeblich darin, dass die Rezipierenden glauben, hinter der Realitätsoberfläche von Politik und Gesellschaft eine zweite Wirklichkeitsebene entdeckt zu haben, die ihnen vermeintlich neue, unbekannte Zusammenhänge enthüllt und ihnen hilft, besonders unklare gesellschaftliche Lagen zu einem geschlossenen Weltbild zusammenzufügen.  

Dieser Erzählmechanismus des Verschwörungsmythos ist nun tatsächlich eng verwandt mit der genrespezifischen Erzählstruktur des Kriminalfilms und des Thrillers. Jeder dramaturgisch gut gebaute Whodunit gründet sich ebenso wie der Thriller auf einen unsichtbaren Plot, den das Publikum gemeinsam mit den Protagonisten auf der Leinwand entschlüsseln und aufklären muss.

Auf der vordergründigen Handlungsebene durchläuft die Hauptfigur eine Reihe von Stationen, um den unsichtbaren Plot aufzudecken. Bleibt das Publikum „auf Augenhöhe“ mit der Figur, so enthüllt sich der unsichtbare Plot mit der Aufklärung aller Zusammenhänge und der Enttarnung der antagonistischen Figur als Überraschungseffekt am Ende des Films. Im Suspense-Thriller werden dagegen dem Publikum schon früher Teile des unsichtbaren Plots offengelegt, sodass es mehr weiß als die Figur. Die Spannung wird dadurch gehalten, dass die Rezipierenden sich fragen, wann und unter welchen Umständen die Hauptfigur auch diese Informationen zur quasi zweiten Realitätsebene des Films erhält und welche Schlüsse sie daraus ziehen wird? Offenbar liegt in diesem Spiel aus Wissen und Nichtwissen, Information und Desinformation, Intrige und Spekulation, das Thriller und Verschwörungsmythos strukturell gemeinsam haben, eine wichtige Begründung für die Affinität des Genres zu Verschwörungsthematiken.
 

Conspiracy-Thriller

Die Politthriller, die sich in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Thema Verschwörung beschäftigten, zeichnen sich dadurch aus, dass sie oft den unsichtbaren Plot sehr früh mit dem Ziel, politische Aufklärung betreiben zu wollen, offenlegen. Im Film Z – Anatomie eines politischen Mordes (Z, F/Algerien 1969) von Costa-Gavras fällt ein pazifistischer linker Politiker (Yves Montand) während einer Wahlkampfveranstaltung in einer griechischen Großstadt dem Anschlag einer rechtsextremistischen Gruppe zum Opfer. Dass sich die Behinderung der Aufklärung des Verbrechens durch einen aufrechten, nicht korrumpierbaren Untersuchungsrichter (Jean-Louis Trintignant) auf ein Komplott rechtsgerichteter Militärs und Polizeioffiziere gründet, macht Costa-Gavras gleich zu Beginn seines Films deutlich: So wie der Mehltau, eine Krankheit, die Rebstöcke befällt, mit einer scharfen chemischen Lösung behandelt werden müsse, heißt es da in der Anfangsszene, die eine konspirative Versammlung hochrangiger Offiziere zeigt, so müsse auch „die ideologische Krankheit“ durch entsprechende „Verhütungsmaßnahmen“ bekämpft werden.

Die Darstellung des Komplotts der Obristen, die als Menetekel für die Etablierung der griechischen Militärdiktatur rezipiert wurde, erschien manchen als überspitzt und übertrieben. Doch was auf den ersten Blick selbst wie ein filmischer Verschwörungsmythos wirken mag, basiert auf der eingehenden Faktenrecherche des Schriftstellers Vasilis Vasilikos für seinen gleichnamigen Tatsachenroman. In ihm rollt er den authentischen Fall der Ermordung des Oppositionspolitikers Grigoris Lambrakis 1963 in Thessaloniki und deren Hintergründe auf.

Auch in seinem Film Der unsichtbare Aufstand (État de siège, F/I/D 1972) nutzt Costa-Gavras die Mittel des Thrillers, deckt den unsichtbaren Plot der konspirativen Rolle des US-Auslandsgeheimdienstes CIA bei der Errichtung von Militärdiktaturen in Lateinamerika aber erst langsam auf. Die Darstellungen in diesem Film stützen sich gleichfalls auf Fakten und auf einen authentischen Fall: die Entführung und Ermordung des US-Bürgers Daniel A. Mitrione durch die Stadtguerilla Tupamaros in Uruguay 1970. Der „Sicherheitsberater“ der Regierung wurde als Folterspezialist der CIA enttarnt. Er hatte die Polizei in Uruguay in spezifischen Methoden zum „Verhör“ vornehmlich linker politischer Gefangener ausgebildet.
 


Die stark faktenbasierten Filme Costa-Gavras‘ bilden im Subgenre des Conspiracy-Thrillers allerdings eher die Ausnahme. Die meisten Filme nutzen zeitgenössische Verschwörungsmythen lieber als fiktionales Spielmaterial für spannende Thriller. So entstanden etwa vor dem Hintergrund der aufgedeckten Verschwörung im Weißen Haus gegen die Demokratische Partei in der Watergate-Affäre eine Reihe von Verschwörungsthriller im US-Kino wie Zeuge einer Verschwörung (The Parallax View, 1974), Unternehmen Capricorn (Capricorn One, 1977) oder Die drei Tage des Condor (Three Days of the Condor, 1975). Filme wie I wie Ikarus (I … comme Icare, F 1979) von Henri Verneuil oder JFK: Tatort Dallas (JFK, USA 1991) von Oliver Stone griffen die Verschwörungsmythen auf, die um die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy 1963 in Dallas kreisen, und nutzten sie für eigene Spekulationen
 

Personifikation

In den 1990er- und 2000er-Jahren wandelte sich das Paradigma der Verschwörungserzählungen im Film. Die Thematik wurde stärker personifiziert. Sonderlinge und Querdenker, die in Konspiration und Verschwörung verstrickt werden oder glauben, diese aufdecken zu müssen, bevölkerten nun den Conspiracy-Thriller. In Arlington Road (USA 1999) wird ein Geschichtsprofessor (Jeff Bridges) bei dem Versuch, die Verschwörung einer rechtsextremen Gruppe gegen die Bundespolizei FBI aufzudecken, selbst in die Intrige verstrickt und schließlich zu ihrem Opfer.

In Fletchers Visionen (Conspiracy Theory, USA 1997) spielt Mel Gibson in der Regie von Richard Donner jenen Jerry Fletcher, einen Taxifahrer in New York, der offenbar unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Fletcher hat alptraumhafte Visionen. Er fühlt sich verfolgt und sucht deshalb mehrmals die Staatsanwältin Alice Sutton (Julia Roberts) auf, die er mit seinen konfusen Verschwörungserzählungen belästigt. „Ein wichtiger Hinweis auf das Vorliegen einer Verschwörungstheorie“, schreibt Jens Jessen, „ist die Immunisierung gegen jede Überprüfung“ (Jessen 2020, S. 46). Genau um diese Frage der Überprüfbarkeit von Fletchers Visionen geht es nun in Donners Film. Am Ende wird sich einer von Fletchers Verschwörungsalbträumen als wahr erweisen, wodurch er, aber auch Alice Sutton in große Gefahr geraten. Auch Donners Filmerzählung selbst rekurriert auf nachprüfbare Fakten, auf das illegale CIA-Geheimprojekt MK Ultra, in dem Techniken zur Bewusstseinskontrolle erprobt wurden (vgl. Greenewald 2019), so wie auch Arlington Road Bezüge zu aktuellen Zeitläuften, etwa zum terroristischen Bombenanschlag in Oklahoma City 1995 herstellte.
 



Mögliche illegale Experimente am Menschen seitens des Militärs und der Geheimdienste inspirierten Drehbuchautoren auch weiterhin und bis heute bei der Konstruktion des unsichtbaren Plots von Verschwörungsthrillern. 2004 nahm Jonathan Demme in seinem gleichnamigen Remake des Film-noir-Klassikers The Manchurian Candidate (USA 1962) von John Frankenheimer das Thema der verbotenen Experimente mit Folter und mentaler Manipulation ebenso wieder auf, wie es später Paul Greengrass und andere Regisseure in ihrer Bourne-Filmreihe (2002 – 2016) taten. Immer stehen die Opfer solcher Experimente im Mittelpunkt der Erzählung, ihr Ringen um Aufklärung der Verschwörung, aber auch ihr Gefühl von Schuld und die Suche nach Erlösung – wie gerade auch in der Amazon-Serie Treadstone (USA 2019).
 


Jean Seberg

Ein interessantes Beispiel für die Weiterentwicklung des Verschwörungsthrillers bis heute ist gerade aktuell im Kino zu besichtigen: Jean Seberg – Against all Enemies (Seberg, UK/USA 2019). Regisseur Benedict Andrews erzählt hier eine authentische Episode aus der Biografie der US-Schauspielerin Jean Seberg: Ende der 1960er-Jahre gerät die Künstlerin aufgrund ihrer Unterstützung der Black Panther-Bewegung ins Visier des FBI. Die Bundespolizei nutzt illegal aufgezeichnetes Tonmaterial aus dem Privatleben Sebergs (Kristen Stewart), um ihre Karriere zu behindern und ihre Persönlichkeit zu zerrütten. Anders als in den meisten Conspiracy-Thrillern macht Andrews den für die Hauptfigur unsichtbaren Plot der Verschwörung gegen sie für den Zuschauer schnell sichtbar. Er führt früh den FBI-Agenten Jack Solomon (Jack O’Connell) in die Handlung ein und kann so Sebergs zunehmende Verzweiflung im Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner und Solomons wachsende Zweifel an seinem und dem Handeln seiner Behörde eindrucksvoll schildern.
 



Misstrauen

Immer wieder korreliert die Hochkonjunktur von Verschwörungserzählungen mit realen politischen Affären, die Misstrauen in der Bevölkerung etwa in die Sicherheitsorgane des Staates nähren. Wie zuvor bereits erläutert, antwortete Hollywood zur Zeit der Watergate-Affäre in den frühen 1970er-Jahren mit einer ganzen Reihe von Verschwörungsthrillern auf die Zeitstimmung von Unsicherheit und Bedrohung.  

Nach den von Verschwörungserzählungen umrankten Terroranschlägen vom 11. September 2001 und in der Zeit des auf Lüge gegründeten Irakkriegs erwuchs aus der Tradition der Conspiracy-Thriller ein popkultureller Humus, der zum idealen Nährboden für eine Fülle von Verschwörungsszenarien wurde, die in Serien wie 24 (2001 – 2010), Revenge (2011 – 2015) oder Homeland (2011 – 2020) verbreitet wurden. Agenten wie Jack Bauer (Kiefer Sutherland) oder Carrie Mathison (Claire Danes) deckten Verschwörungen ausländischer Mächte auf, kämpften aber zunehmend – wie auch Emily Thorne (Emily VanCamp), die Hauptfigur von Revenge – gegen die Konspiration von mächtigen Politikern und Wirtschaftsmagnaten im eigenen Land.
 



So nährten die Serienmacher mit ihren Verschwörungserzählungen durchaus auch Verschwörungsmythen, die in der Realität der US-Gesellschaft zunehmend kursieren wie die von der QAnon-Sekte verbreitete Behauptung, es gebe im Weißen Haus einen „Tiefen Staat“, eine Verschwörung von Regierungsbeamten und Geheimdiensten gegen den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump (vgl. Rickens 2020) In seiner neuen Actionserie Designated Survivor (2016 – 2019), die aktuell bei Netflix zu sehen ist, greift Kiefer Sutherland diese These sogar explizit auf: Er spielt einen liberalen unabhängigen Politiker, der nach einem verheerenden Terroranschlag als „vorbestimmter Überlebender“ (vgl. Lexico) überraschend zum US-Präsidenten ernannt wird und sich, unerfahren mit den Machtstrukturen im Weißen Haus, mit einer ganzen Reihe von Intrigen und Verschwörungen des „Deep State“ konfrontiert sieht, die zunehmend sein Leben und das seiner Familie bedrohen.

Auch in der Bundesrepublik wächst das Misstrauen in staatliches Handeln und die Sorge vor realen Verschwörungsszenarien: Die weitgehend ungeklärte Rolle der Sicherheitsorgane bei der Aufklärung des NSU-Terrors, der NSA-Abhörskandal, der Diesel-Skandal, die Anschläge von Halle und Hanau oder aktuell die Aufdeckung rechtsextremistischer Netzwerke in der Polizei und bei der Bundeswehr. Angesichts manch unklarer gesellschaftlichen Lagen ist es kaum verwunderlich, wenn kommerzielle Streamingdienste wie Netflix oder Amazon da mit entsprechenden Medienangeboten reagieren: So finden sich unter dem Stichwort „Verschwörung“ allein bei Netflix Deutschland 240 Filme und Serien, bei Amazon sind es sogar 633 Angebote!
 

Literatur:

Barg, W.: Blockbuster-Culture. Berlin 2019

Barthes, R.: Mythen des Alltags. Berlin 2016 (Original 1957)

Greenewald, J.: CIA MKULTRA/Mind Control Collection, 01.09.2019. Abrufbar unter: http://www.theblackvault.com (letzter Zugriff: 28.09.2020)

Jessen, J.: Geheime Strippenzieher? Verschwörungstheorien haben einen schlechten Ruf. Sie können aber auch wahr werden. In: DIE ZEIT, Nr. 34 vom 13. August 2020, S. 46

Lexico: Meaning of designated survivor in English: designated survivor. Abrufbar unter: https://www.lexico.com (letzter Zugriff: 28.09.2020)

Rickens, C.: Donald Trump und der tiefe Staat: Mehr als eine Verschwörungstheorie?, 16.05.2020. Abrufbar unter: https://www.handelsblatt.com (letzter Zugriff: 28.09.2020)

Roose, J.: Sie sind überall. Eine repräsentative Umfrage zu Verschwörungstheorien. Berlin 2020

Steinke, R.: Die Demonstranten eint ein Feindbild. In: Süddeutsche Zeitung, 31.08.2020. Abrufbar unter: https:// www.sueddeutsche.de/politik/bundestag-demonstranten-corona-1.5015614 (letzter Zugriff: 28.09.2020)